ubahn

auf dem weg

den fünften Zug, ich nehme ihn mit groll.
zuwider war mir immer warten, es ist jetzt zwanzig nach der zeit,
die bekannte strecke, das mittlere abteil solls sein.
nein, ich werde jetzt nicht wütend - ich bins nur leid.

natürlich schreien in dem wagen alle
in ihre bläkenden handys oder ins gesicht der ehefrau
vier sitze weiter. kann ich das noch ertragen,
die junge frau mit heulendem gesicht und völlig blau?

und du am bahnsteig oder wo, mit einer frage.
oder ist dir was passiert? soll ich mich wirklich sorgen,
zu welchem zweck, weil es ja keinem hilft.
deinen tod kann ich beklagen, doch nicht heute, morgen -

und mich noch fragen, ob das nötig war,
nur zu sterben für einen richtig satten anlass?
ich fahre jetzt retour und auch noch regen.
im u-bahn-fenster mein gesicht, blöde fresse, triste, blass.


© by Gerd Hunger

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