eltern

die eltern meinesgleichen

zu den eltern aus meinem kreise älterer herrn
fahren im hohen sommer knappe acht bis zehn tage
einige mit butterkuchen im gepäck und gern.
ich schnitze leisten für särge. das zu ihrer frage.

diese eltern derer bevölkern flache lande,
streichen jährlich ihre katen hinter hohen hecken.
die väter machen liegestützen aus dem stande
und die mütter alle nudelauflauf bis zum wecken.

fast alle altersfreunde hatten früher hunde,
sie leben und müssen bei den eltern vegetieren,
sind natürlich alt, gesund, haben zuviel pfunde,
verstehen alles, können fliegen - auf allen vieren.

alle eltern derer blieben arm, sind lange tot,
und ihre gesichter waren grau und voller falten.
väter schlugen holz, und mütter buken selber brot.
ich blase glas und schlage den schaum für diese alten.

alle meinesgleichen kehren sommers nicht zurück.
ich sitze an den tischen, proste den leeren stühlen,
auf karten lese ich vom wiedergefundnen glück,
von bettnässerei und andren freundlichen gefühlen.

sie alle streichen jährlich katen hinter hecken,
und ihre erwachsenen kinder hinterließen hunde,
die sich bei besuchen unterm tisch verstecken.
ich zahle meine zeche. die violette stunde:

nimm noch den falter und entblättere den fächer!
dorfaufrufer treffen zusammen zum neusten verdacht,
vor den tauben verlassen heuschrecken die dächer.
was sich jetzt noch nicht verloren hat, vergisst diese nacht.


© by Gerd Hunger

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