briefmarke

sentimentales selbergedicht

die post lebt ganz gut von meinen eilgedichten:
eingeschrieben, richtig frankiert und adressiert
an moscheen und krankenhäuser: heilgeschichten
und katastrophenquark. die gewinnt, der verliert.
in räumen, ganz in zimmerpflanzen eingebaut,
finde ich die verse und schneide sie zurecht:
gestehe ein: ich habe hier und da geklaut,
selbst gelitten und viel zu selten mich erfrecht.
überblick auf das gesäusel: längst verloren,
nichts von sinn und ein, zwei bilder, die sich lohnen:
es ist kein „Rilken“ mit ihnen neu geboren,
dennoch: ich will an keinem andren orte wohnen
als diesen verstrunzt-verhunzten zeilengassen,
reimewegen, kata-strophen: es lebt ein kind,
trauernd, kregel, das sie aber leben lassen
in ihrem gestrüpp, weil es ist, wie sie es sind.


© by Gerd Hunger

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