Norden

nach norden

sie wissen um uns, nennen dich und mich die letzten gäste.
du siehst etwas teuer aus, ich bestaune meine bügelfalten,
ein paar stühle schon auf den tischen, im eimer essensreste,
das lied für uns vom band und irrlichternde tapetengestalten.

ich wedle mit dem letzten braunen schein: er war zu retten.
inventur: alles, was noch gilt, ist penibel durchgezählt:
mir gehören noch die pflanzen in den parks, die betten
und deine durchstochne liebe, alles sonst verloren und verfehlt.

ein ins alter geratene talent sucht hilflos nach worten.
es reibt ein bein an meinen knöcheln und du sagst guten morgen!
lass uns gehen, wie immer, du nach süden, ich nach norden,
am ende meines wegs bin ich allein und du bist ohne sorgen,

ohne frage nach dem täglichen brot, platz für deine tänze.
wir werden ein auto stehlen, flüchten und die zeche prellen.
du gibst noch tipps wie volle taschen, den schnellsten weg zur grenze,
selbstgenügendes bebildern der nackten wände kahler zellen.

sie werfen kleingeld betont lauter in die kassen
und schieben ihre besen ungeduldiger um unsere stühle.
der tisch ist nun so leer wie auch deine augen. sie sagen: treiben lassen,
in die nacht ziehn mit weitem blick, aber wortlos, in die kühle.


© by Gerd Hunger

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