Ach ja, Kanada. Das Land nimmt diplomatische Beziehungen zur DDR auf, hat also doch noch mitbekommen, dass es sie gibt - als letztes Mitglied der NATO, übrigens. Der amerikanische Lockheed-Konzern gesteht, 22 Millionen Dollar Schmiergeld für Exportaufträge gezahlt zu haben, ja, Millionen, nicht Milliarden. Geradezu idyllisch! Im Monatsmittel August erreichen die Tem-paraturen 20 Grad und auch die Sonne scheint 68 Stunden länger als gewöhnlich. Wenn sich da mal nicht 'ne Klimakatastrophe ankündigt ...
Gerd Hunger ist plötzlich drei Jahre länger volljährig, weil das Alter dafür von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt wurde. In Helsinki wird die KSZE-Schlussakte unterzeichnet; ja, wenn man jetzt noch wüsste, wofür KSZE steht ... ach ja, "Konferenz für Sicherheit und Zusam-menarbeit in Europa". Spanien hat Franco hinter sich und Juan Carlos I. vor sich und Gerd wird gefragt, wie lange er denn noch studieren wolle. Ach ja, Kana-da. Da war doch noch was.
Studieren ist gar nicht so leicht - bei den Terroristen überall. In Stockholm nehmen sie Geiseln, in Stammheim wird extra ein Gerichtsgebäude für sie gebaut und in Berlin ist plötzlich Peter Lorenz weg, dafür aber die Polizei auf Gerds Hinterhof. Als stellvertretende Concierge muss er ihr den Keller aufschließen, wo sie Lorenz suchen, aber nicht finden. Als sie das Haus wieder verlassen, dröhnt aus irgendwelchen Boxen die "Internationale". Der angeschlagene VW-Konzern wird vom "Golf"-Strom gerettet, aber er kauft sich einen fast neuen "Käfer", weil er beim Bundessozialgericht gegen die Bundespostbetriebskrankenkasse einen Prozess gewonnen hat und über 9.000 DM entzogener Sozialversicherungsbeiträge erstattet bekommt. Das wird ihm später mal an der Rente fehlen, aber daran denkt er natürlich noch nicht. (Borussia Mönchengladbach / 1. FC Magdeburg).
Es war in den frühen Sommermonaten des Jahres, auch noch an einem Sonntag, als zu einer völlig unanständigen Zeit das Telefon klingelte. Gerd Hunger versuchte vorsichtig, die letzte Nacht zu bewältigen und es meldete sich eine Frau, die aus ihm unverständlichen Gründen schon sprechen konnte - und zwar sehr geschäftlich. Ob der Preis für das Bild inclusive Rahmen sei oder nicht? Ich verstand Limonade mit viel, viel Kohlensäure und wir beide mussten uns erst einmal langwierig auf eine gemeinsame Ebene begeben, bis ich endlich begriff: Wir hatten im "Spontanen Lyrik- und Grafik-Ensemble (SLGE)" (siehe 1970) in einer gemeinsamen Aktion je ein Bild verfertigt und beschlossen, uns an der "Freien Berliner Kunstaustellung (FBK)" zu beteiligen, die in dem Jahr zum fünften Mal in den Ausstellungshallen unter'm Funkturm stattfand. Da konnte eigentlich jeder - juryfrei - teilnehmen. Ich hatte gemalt und wurde dabei immer unglücklicher, weil ich merkte: Ich kann das nicht! Mein Mitmaler A. und Wohnungsgenosse sprang ein, als die Zeit drängte und fügte meinem Fragment einfach mit Deckweiß ein paar eher verdeckende Schraffuren bei. Ich sah, willigte ein und nannte mein/sein Werk nach einem Text von Ernst Bloch "Raffael ohne Hände", was ganz gut passte.
Und das wollte jemand kaufen? Und welcher Rahmen, bitte? M., der sich damit auskannte, hatte jedem von uns im gleichen Format eine Leinwand aufgespannt und weiße Leisten drum herum genagelt. Ich stimmte den Verkauf zu, immerhin 90 DM und erfuhr noch, der Käufer sei an einem "Ensemble" von insgesamt fünf Bildern von uns interessiert. Ich hatte mein erstes Bild verkauft, mit Rahmen, es war auch mein letztes. Später stellten wir fest, die Bilder, zwei im Hochformat, drei im Querformat passten ausgezeichnet über jede Couch von Möbel-Hübner...
© by Gerd Hunger Nächstes Jahr Voriges Jahr Zurück zur Startseite [Letzte Änderung: 13. Februar 2010]