John F. Kenndy ist in Berlin. Er steht auf dem Balkon des Rathauses Schöneberg, dem West-Berliner Regierungssitz. In Sichtweite von ihm schräg rechts steht Gerd Hunger auch auf dem Balkon und zwar im zweiten Stock des Wohnhauses Belziger Straße 69, wohin die Famile aus der Wilmersdorfer Ladenwoh-nung Anfang 1963 gezogen ist: dreieinhalb Zimmer mit Bad und eben Balkon; sein Zimmer ist das halbe! Als Kennedy ihn sieht, zwinkert er ihm zu und sagt plötzlich in gebrochenem Deutsch: "Ich bin auch ein Berliner!" (das "auch" wird später aus allen Tonspuren gelöscht, als der CIA rauskriegt, dass der Junge auf dem Balkon aus der so genannten "DDR" kommt). Gerd Hunger weint vor Rührung. Dasselbe tut seine Mutter, als Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler im Eiskunstlauf Weltmeister werden. Gerd Hunger wird zum Erstaunen aller in die 8. Klasse versetzt und zum noch größerem Erstaunen sogar zum Klassensprecher gewählt, womit seine glänzende Schulkarriere ihren Anfang nimmt. Borussia Dortmund wird BRD- und der SC Motor Jena DDR-Fußballmeister. Konrad Adenauer tritt als Bundeskanzler zurück und Ludwig Erhard wird sein Nachfolger. Gerd Hunger prophezeit, das könne nicht gutgehen: Eine BRD ohne Adenauer!?! Das ist wie eine DDR ohne Ulbricht! Seine Mutter und er weinen, als Kennedy in Dallas erschossen wird. Die Regierung der DDR verhandelt mit dem Senat von West-Berlin erfolgreich über Weihnachtspassierscheine, mit denen West-Berliner ihre Ost-Berliner Ver-wandten besuchen können. Gerd Hunger hat da keine Verwandten, es passiert also nichts. Doch! Er verliebt sich das erste Mal mit Folgen - in G. Die Folgen: "Sie gehen miteinander" und es kommt zum Austausch von Zärtlichkeiten, was man neuerdings Petting nennt.
© by Gerd Hunger Nächstes Jahr Voriges Jahr Zurück zur Startseite [Letzte Änderung: 8. Februar 2010]