In der Nacht zum 6. März wacht Gerd Hunger in der Lindenstraße in Annaberg-Buchholz schweißgebadet und vor Angst zitternd auf. Vor den Fenstern flackern Lichter, dumpfe Trommeln hallen durch die Nacht. Die Erzählungen der Alten
lassen in ihm die Assoziation Krieg entstehen. Stalin ist tot und Ulbricht hat kei-nen
"Chef" mehr, wie sein Onkel es ihm erklärt. Vom Arbeiteraufstand am 17. Juni kriegt er hingegen nix mit, in Annaberg scheint's keine (Arbeiter) zu geben. Dass Adenauer alter und neuer Bundeskanzler ist, ahnt er auch nicht. In der DDR wird der Religionsunterricht abgeschafft, was ihm aber auch nicht helfen wird: Er wird ins Gemeindehaus ausgelagert, dafür fällt zwei Mal in der Woche die erste Schulstunde aus; schließlich sitzt der SED-Kreissekretär sonntags immer im Gottesdienst der Annen-kirche. Während Gerd Hunger in Annaberg verzweifelt versucht, an seinem Geburtstag die Anhöhe zum Pöhlberg zu bezwingen, wird das erste Mal der Gipfel des Mount Everest, des höchsten Bergs der Erde, bestiegen. Deutscher Fußballmeister wird der 1. FC Kaiserslautern.
© by Gerd Hunger Nächstes Jahr Voriges Jahr Zurück zur Startseite [Letzte Änderung: 8. Februar 2010]